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Abtei 15.12. 21

Grüß Gott, meine lieben Angehörige, Freunde und Wohltäter!

Jahrzehntelang habe ich zu Weihnachten einen Rundbrief geschrieben, in dem ich hauptsächlich von meinem Arbeiten in Tz berichtete. Nun steht Weihnachten wieder vor der Türe und ich überlege mir, ob ich wieder einen Rundbrief schreiben soll. Worüber könnte ich berichten, das auch die Leser interessiert. Anrufer erkundigen sich immer wieder nach meinem Befinden und möchten wissen, wie es auf der Station Nyangao weitergeht. Diese beiden Anfragen versuche ich mit meinen Zeilen zu beantworten.

Wie geht es mir gesundheitlich? — Im August 20 habe ich meinen normalen Heimaturlaub angetreten in der festen Überzeugung: nach drei Monaten fliege ich wieder nach Tz zurück. Ein Arzt von Missio Würzburg hat diesen Plan durchkreuzt und Ich musste eine Chemo über mich ergehen lassen, die Weihnachten letzten Jahres endete. Danach konnte es nur noch aufwärts gehen, so war ich überzeugt und nach Ostern ist es dann so weit. Ostern kam und ich fühlte mich immer noch schwach. Ich vertröstete mich auf Pfingsten. Pfingsten kam und ich fühlte wenig Besserung. Da dämmerte langsam die Erkenntnis in mir: ein Arbeiten in Tz ist nicht mehr sinnvoll, auch ein kurzer Abschiedsbesuch ändert daran nichts. Die Menschen dort sollen mich so in Erinnerung behalten, wie sie mich erlebt haben. Bis diese Erkenntnis bis ins Herz vorgedrungen war, gab es noch manche Kämpfe zu bestehen. Nun habe ich mich damit abgefunden. Wie es mir dabei ergeht? Die kürzeste und treffendste Antwort habe ich beim hl. Paulus gefunden: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Nun noch zur zweiten Anfrage: Wie geht es in der Pfarrei Nyangao weiter? — Da bin ich auf Berichte angewiesen. Jede Woche bekomme ich Berichte und Nachrichten per WhatsApp oder Telefon. Nicht nur der Pfarrer, auch Leute, mit denen ich keine besonderen Beziehungen hatte, berichten übereinstimmend: Es läuft gut weiter, die steigenden Taufzahlen sprechen dafür. Die Firmungen sind leicht rückläufig, meist corona-bedingt. Alles eigentlich erfreuliche Nachrichten! Doch ich musste erst ein paarmal tief durchatmen, als mir bewusst wurde, was auch hinter diesen Nachrichten steht: Es geht gut weiter — auch ohne mich, bis die Mitfreude über die Erfolge meines Nachfolgers die Oberhand gewonnen hat und ich mich jetzt ehrlich mitfreuen kann über seinen Erfolg. Bewusst habe ich mich in dieser Zeit mit meinen Ratschlägen zurückgehalten. Diese Menschen stehen näher am Geschehen, sie werden ihre eigenen Wege finden. Begleiten werde ich sie auch weiterhin mit meinem Interesse und meiner Fürbitte. Hin und wieder kann ich mit ein paar Körnern Dünger dem Gedeihen nachhelfen. Ein herzliches Vergelt's Gott allen, die mich dabei unterstützt haben.

Nun bleibt noch etwas Platz für Weihnachtsgrüße und Wünsche. Da kann ich mich kurz fassen. Jeder hat ja seine eigenen Vorstellungen und Wünsche parat. Wenn ich mit meiner Fürbitte etwas zu deren Verwirklichung beitragen kann, dann sind auch meine Wünsche erfüllt.

Frohe und gesegnete Festtage und Gottes Schutz und Geleit durch das Neue Jahr wünscht

P. Hugo

Handschriftlicher Zusatz: Verehrte Leiter der Christengemeinde in Herschfeld,

Bestimmt leidet ihr mit Euren Christen unter den Beschränkungen, die uns Corona auferlegt. Kirchenbesuche sind eingeschränkt und ich befürchte, der Umzug der Sternsinger entfällt zum 2. Mal. Trotzdem werdet Ihr Euch interessieren, wie es mit den Kindergärten in Tansania weitergegangen ist. Da bekomme ich erfreuliche Nachrichten. Sie werden alle weitergeführt, manche auf Sparflamme, einer berichtet vom Wachsen der Zahl. Ich freue mich wie ein Opa, der von den Erfolgen erfährt. Sie und ich haben zu Erfolgen beigesteuert.

Diese Freude möchte ich an alle Christen, besonders an die Sternsinger, weitergeben.

Ruhige, frohe Festtage und für 2022 Gottes Beistand und ein Ende der Corona

wünscht und erbittet P. Hugo

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