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Das neue Kirchenjahr beginnt mit dem ersten Adventssonntag.Von da an wird uns nach dem Evangelisten Markus nun Lukas begleiten. Lukas hat zwei biblische Bücher geschrieben: sein Evangelium und die Apostelgeschichte. Beide Bücher verfasste er für seinen Freund und Schüler Theophilus. Lukas wollte ihm behilflich sein, sich in den vielfältigen Situationen des Lebens, der Kirche und der Geschichte seiner Zeit zurechtzufinden. Eine besondere Rolle nimmt dabei das Wirken des Heiligen Geistes ein: von der Menschwerdung Jesu bis zum Pfingstereignis und schließlich das Wirken der noch jungen Kirche.

In diesem neuen Kirchenjahr dürfen wir mit Theophilus die Grundaussagen des Lukas kennenlernen, die auch für unseren Glauben in unserer Zeit ein roter Faden sein wollen. Einige Wesensmerkmale des Lukasevangeliums möchte ich nennen: Im Unterschied zu den anderen Evangelisten hat Lukas vor das erste öffentlichen Auftreten Jesu die Kindheitserzählung gestellt. Maria und Elisabeth, die Mutter des Johannes, nehmen eine besondere Rolle ein. Und Jesus kommt in Armut zur Welt. Das ist der erste Grundakkord. Die Geburt des Gottessohnes geschieht mitten in unserer menschlichen Geschichte. Frauen nehmen im Lauf seines Evangeliums immer wieder eine besondere Rolle ein. Auch zeigt uns Lukas immer wieder auf, dass Jesus stets für die Armen und Ausgestoßenen Partei ergreift.

Im Lukasevangelium finden sich im 15. Kapitel drei Gleichnisse: vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Geldstück und vom verlorenen Sohn. Dieses Kapitel wird auch Evangelium im Evangelium genannt, weil es ein Kernstück darstellt. Lukas will uns sagen: Gott ist barmherzig, er geht dem Verlorenen nach und freut sich über jeden, der sich ihm neu zuwendet.

Dieses 15. Kapitel ist Teil eines „Reiseberichtes“: Jesus geht den Weg nach Jerusalem (Lk 9,51). Dort wird er leiden, sterben und auferstehen. Hier wird später die Apostelgeschichte anknüpfen. In Jerusalem betet Maria mit den Jüngern um das Kommen des Heiligen Geistes. In Jerusalem geschieht Pfingsten und von Jerusalem aus wird durch Paulus und die ersten Christen die Botschaft Jesu bis in das Zentrum der damaligen Welt getragen: nach Rom. Die Botschaft von Jesus Christus gelangt als gute Nachricht in der Kraft des Heiligen Geistes schließlich in die ganze Welt. Der Evangelist Lukas schenkt uns mit seiner Jesuserzählung Mut, auch in unserer schwierigen Zeit des Glaubens und der Kirche dem Geist Gottes zu vertrauen und mit unseren Möglichkeiten heute Jesus nachzufolgen.

Pfarrer Thomas Keßler

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